Drei Generationen, ein Rennen und eine außergewöhnliche Familiengeschichte: Ramon Klenz hat den Wakenitzman über 14 Kilometer gewonnen. Was 1958 mit seinem Großvater begann und sein Vater Fiete Klenz 1995 fortsetzte, führt der ehemalige deutsche Rekordhalter nun weiter. Und die Geschichte reicht von der Wakenitz bei Lübeck direkt zurück nach Leipzig – zum SSV Leutzsch, wo Klenz heute als Trainer eine neue Generation von Schwimmerinnen und Schwimmern begleitet.
Manchmal schreibt der Sport Geschichten, die sich kaum besser planen ließen.
Am 30. August gewann Ramon Klenz den Wakenitzman. Die rund 14 Kilometer lange Strecke führt von Rothenhusen durch die Wakenitz bis nach Lübeck. Nach 3:07:28 Stunden erreichte der 28-Jährige als Erster das Ziel – mehr als sieben Minuten vor dem Zweitplatzierten.
Doch hinter diesem Sieg steckt weit mehr als eine außergewöhnliche Ausdauerleistung.

Drei Generationen an der Wakenitz
Bereits 1958 gewann Ramons Großvater im Alter von 16 Jahren das damalige 1.000-Meter-Wakenitzrennen. 1995 folgte sein Vater Karl-Heinz „Fiete“ Klenz und gewann mit 26 Jahren das Einzelrennen. 2018 kehrten Vater und Sohn gemeinsam an die Wakenitz zurück und starteten als Zweierstaffel.
2026 folgte das nächste Kapitel: Ramon bewältigte die gesamten 14 Kilometer – und gewann.
Sein Vater kommentierte den Erfolg anschließend ebenso knapp wie stolz: „Starker Auftritt, mein Sohn.“
Für Ramon selbst war genau diese Familiengeschichte überhaupt der Grund, sich der ungewöhnlichen Herausforderung zu stellen.
„Ich habe das auf jeden Fall aus Nostalgie gemacht“, erzählt er. Bereits im Februar hatte er sich das Rennen als persönliches Ziel vorgenommen. Der Sieg sei dabei zunächst gar nicht das Entscheidende gewesen: „Das Rennen hat einen hohen Spaßfaktor. Der Weg war für mich tatsächlich ein Teil des Ziels.“



Vom deutschen Rekordhalter zurück nach Leutzsch
Dass Klenz auch nach dem Ende seiner klassischen Leistungssportkarriere noch immer außergewöhnlich schnell schwimmen kann, überrascht angesichts seiner sportlichen Vergangenheit wenig.
2018 unterbot er über 200 Meter Schmetterling den mehr als drei Jahrzehnte alten deutschen Rekord von Michael Groß. Über viele Jahre gehörte er zur deutschen Schwimmspitze, ehe er in diesem Jahr bei den Deutschen Meisterschaften offiziell aus dem Leistungssport verabschiedet wurde.
Dass ihn sein Weg inzwischen zum SSV Leutzsch geführt hat, ist dabei weit mehr als eine neue Trainerstation. Es ist eine Rückkehr zu den familiären Wurzeln.
Die Familie Herbst/Klenz ist eng mit der Leipziger und insbesondere der Leutzscher Schwimmgeschichte verbunden. Ramons Großeltern Eva und Jochen Herbst gehörten zu den Menschen, die den SSV Leutzsch gründeten beziehungsweise entscheidend mit aufbauten. Seine Mutter Sabine Krauss, geborene Herbst, wurde Europameisterin, erreichte Olympiafinals und feierte zahlreiche weitere internationale Erfolge. Auch sein Onkel Stefan Herbst gehörte zur internationalen Schwimmspitze. Vater Fiete sammelte ebenfalls viele seiner Trainingskilometer in der Schwimmhalle West.
Heute steht dort die nächste Generation am Beckenrand.
Vom Startblock an den Beckenrand – und manchmal zurück
Anfang des Jahres stieg Ramon Klenz beim SSV Leutzsch als Trainer ein und übernahm gemeinsam mit dem Trainerteam Verantwortung für die Leistungsgruppe des Vereins.
Er fordert seine Sportlerinnen und Sportler, vermittelt den Anspruch des Spitzensports und bringt gleichzeitig eine spürbare Freude am Schwimmen mit. Die Begeisterung überträgt sich auf die Gruppe – und die sportliche Entwicklung wird zunehmend sichtbar. Leutzscher Nachwuchsschwimmer haben inzwischen den Sprung in die Landeskader geschafft, einzelne Athleten sogar bis auf die Ebene des Bundeskaders.

Dabei ist diese Entwicklung ausdrücklich eine Teamleistung: Trainer, Sportler, Eltern und viele Unterstützer im Hintergrund tragen ihren Teil dazu bei.
Wie fließend bei Klenz die Grenze zwischen Trainer und Sportler noch immer ist, zeigte sich bei den Deutschen Meisterschaften. Dort führte er seine schnellsten Schwimmer auf die größte nationale Bühne des deutschen Schwimmsports – und sprang im Staffel-Finale selbst mit ihnen auf den Startblock.

Der Trainer schwamm plötzlich neben seinen eigenen Athleten.
Auch deshalb kann er ihnen vieles nicht nur erklären, sondern im Zweifel noch immer vormachen.
Parallel studiert Klenz Sportwissenschaften und spielt aktiv Basketball. Seine Beziehung zum Schwimmen hat sich dabei verändert.
„Ich glaube, dass ich das Schwimmen jetzt ein bisschen mehr schätze“, sagt er. „Die Gruppe ist cool. Ich gehe gerne ins Wasser, ich fühle mich gut. Und es macht gerade echt Spaß.“

14 Kilometer – und viel Zeit zum Denken
Beim Wakenitzman sollte genau dieser Spaß nicht verloren gehen.
Klenz wusste, dass er aufgrund seiner Vergangenheit eine höhere Grundgeschwindigkeit als viele Konkurrenten mitbringen würde. Die eigentliche Frage lautete: Wie lange würden Arme und Schultern auf einer Distanz mitspielen, die mit seinen früheren 200 Metern Schmetterling wenig gemeinsam hatte?
Die ersten drei bis vier Kilometer nutzte er, um seinen Rhythmus zu finden und Abstand zu schaffen. Bis Kilometer acht oder neun lief es nahezu problemlos. Von der Konkurrenz war kaum noch etwas zu sehen.
Da war auch für Klenz klar: Jetzt wollte er gewinnen.
Aber nicht um jeden Preis.
„Wenn ich drei Stunden all-out hätte gehen müssen, hätte mir das wahrscheinlich nicht so viel Spaß gemacht.“
Stattdessen nahm er seine Umgebung bewusst wahr. Seine Gedanken wanderten zwischen Freunden, Universität und seiner Trainingsgruppe hin und her.
„Es ist einfach schon echt schön da oben. Ich habe versucht, viel von der Umgebung wahrzunehmen und zu genießen, dass man die Möglichkeit hat, so lange durch einen Fluss von A nach B zu schwimmen.“
Ramon Klenz im Interview nach 14 Kilometern in der Wakenitz
Ein bisschen Spaß hat es trotzdem noch gemacht.

Moritz im Boot
Ganz allein war Klenz auf diesen 14 Kilometern nicht. Im Begleitboot saß Moritz Rudolph, ein Freund aus dem Basketball, der kurzfristig eingesprungen war.
Er navigierte, kümmerte sich um die Verpflegung und sorgte zwischendurch auch für Ablenkung. Pausen, ein paar Worte miteinander, Gedanken an das, was nach dem Rennen kommen würde – auch das gehörte für Klenz zu diesen gut drei Stunden.
Oder, wie er es selbst weniger feierlich ausdrückt: Zwischendurch wurde einfach ein bisschen „Scheiße gelabert“.
Gerade diese Mischung aus sportlichem Anspruch und Gelassenheit machte den Wakenitzman für ihn zu dem Erlebnis, das er sich vorgenommen hatte.



Synergy unterstützt mit Spezial-Neoprenanzug
Auch bei der Ausrüstung bekam Klenz Unterstützung. Als einige Monate vor dem Rennen die Frage nach einem Neoprenanzug aufkam, war der ehemalige Beckenschwimmer zunächst durchaus skeptisch, ob er einen solchen überhaupt benötigen würde.
Über den Kontakt zu Matthias Filser entstand schließlich die Verbindung zu Synergy. Für den Wakenitzman stellte das Unternehmen Ramon mit dem Hyperion einen speziellen Neoprenanzug zur Verfügung.
Mit einer Neoprendicke von lediglich 2/3 Millimetern richtet sich das Modell insbesondere an sehr gute Schwimmer, die bereits über eine ausgeprägte Wasserlage verfügen und Bewegungsfreiheit mit den Vorteilen eines Neoprenanzugs verbinden wollen.
Nach 14 Kilometern fiel Klenz‘ Urteil positiv aus. Vor allem dabei, die gute Wasserlage auch über die lange Distanz zu halten, habe ihn der Anzug unterstützt. Für das Kraulschwimmen über die Wakenitz habe die Kombination sehr gut funktioniert.
„Für die 14 Kilometer hat es gut gepasst. Ich bin gut zurechtgekommen.“
Der SSV Leutzsch bedankt sich bei Synergy und Matthias Filser für die unkomplizierte Unterstützung.

Eine Geschichte, die weitergeht
1958 gewinnt der Großvater.
1995 gewinnt der Vater.
2018 schwimmen Vater und Sohn gemeinsam durch die Wakenitz.
2026 gewinnt Ramon Klenz selbst den Wakenitzman.
Was im Februar als persönliche „Halbjahres-Challenge“ begann, endete nach 3:07:28 Stunden mit einem weiteren Kapitel einer außergewöhnlichen Schwimmerfamilie.
Ob Ramon noch einmal zurückkehren wird?
„Keine Ahnung“, sagt er. „Das war einfach so eine Halbjahres-Challenge. Hat gut geklappt. Überraschend gut. Und jetzt werden wir sehen, was als Nächstes kommt.“
Auch beim SSV Leutzsch haben sich die Schwimmer für die neue Saison einiges vorgenommen. Unter dem Motto „Wir schwimmen einmal um die Welt“ entsteht derzeit ein besonderes Vorhaben, das Leistung, Gemeinschaft und die Freude am Schwimmen miteinander verbinden soll.
Und vielleicht liegt genau darin die Verbindung zwischen Ramons Familiengeschichte an der Wakenitz und seiner heutigen Rolle in Leutzsch: Er muss nicht mehr für die nächste Bestzeit trainieren. Dafür kann er heute einer neuen Generation etwas von der Erfahrung, dem Anspruch – und vor allem der Freude an diesem Sport weitergeben.
Tradition verpflichtet vielleicht tatsächlich. Aber noch schöner ist es, wenn eine neue Generation ihre ganz eigene Geschichte daraus macht.
