Vier Goldmedaillen, einmal Silber, einmal Bronze, zwei Championship Records und dazu auf vier Strecken jeweils die schnellste Frau des gesamten Teilnehmerfeldes: Alisa Fatum kehrt mit einer außergewöhnlichen Bilanz von den Masters-Europameisterschaften in Šamorín in der Slowakei zurück.
Die Titel allein erzählen allerdings nur einen Teil dieser Reise. Hinter den Erfolgen lagen sechs Wochen einer ungewöhnlichen Vorbereitung, viel Eigenverantwortung, zahlreiche Trainingseinheiten im Freibad und Freiwasser – und die Unterstützung einer Familie, die Alisa nicht nur vor Ort, sondern bereits auf dem Weg zur Europameisterschaft eng begleitet hat.

Vorbereitung in Eigenregie
Die Europameisterschaft schloss unmittelbar an die sächsischen Sommerferien an. Reguläre Hallenzeiten standen Alisas Trainingsgruppe in dieser Phase nicht zur Verfügung. Deshalb organisierte sie ihre Vorbereitung weitgehend selbst.
Sechs Wochen lang trainierte sie durchgehend, erstellte ihre Trainingspläne eigenständig und stimmte Belastung und Regeneration auf die einzelnen Wettkämpfe ab. Zweimal pro Woche konnte sie beim Post SV Leipzig mittrainieren, an den übrigen Tagen suchte sie sich ihre Trainingsmöglichkeiten selbst – im Freibad oder im Freiwasser.
Gerade die vielen Einheiten im See waren eine gute Vorbereitung auf die späteren Freiwasserwettkämpfe. Gleichzeitig waren sie organisatorisch aufwendig. Ihre Eltern Petra und Chris begleiteten Alisa regelmäßig, damit sie im Freiwasser nie allein trainieren musste.
Die Wochen waren damit nicht nur körperlich fordernd, sondern auch ein Test für Planung, Selbstständigkeit und Disziplin. Rückblickend sagt Alisa selbst, dass ihr diese Vorbereitung viel Selbstvertrauen gegeben habe. Sie habe gelernt, ihrer eigenen Planung zu vertrauen und noch genauer auf ihren Körper zu hören.
Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle auch dem Post SV Leipzig, der ihr während der Ferien regelmäßig die Möglichkeit gab, als Gast am Training teilzunehmen.
Ein Auftakt nach Maß
Schon ihr erstes Rennen in Šamorín setzte ein deutliches Ausrufezeichen.
Über 800 Meter Freistil schwamm Alisa 9:18,63 Minuten und gewann damit nicht nur den Europameistertitel in der Altersklasse 30 bis 34, sondern stellte zugleich einen neuen Championship Record auf.
Schon während des Rennens hatte sie sich deutlich von der Konkurrenz abgesetzt. Am Ende betrug ihr Vorsprung auf die zweitschnellste Frau des gesamten Wettbewerbs mehr als 17 Sekunden.
Für Alisa war dieser Auftakt besonders wichtig. Als Langstrecklerin fühlt sie sich auf den längeren Strecken besonders wohl, und gerade das erste Rennen sollte ihr bestätigen, dass die ungewöhnliche Vorbereitung funktioniert hatte.
Das tat sie.





Viermal Gold auf den langen Freistilstrecken
Auch im weiteren Verlauf der Europameisterschaft bestätigte Alisa ihre Stärke.
Über 200 Meter Freistil wurde sie in 2:11,18 Minuten Vize-Europameisterin. Über 400 Meter Lagen sicherte sie sich in 5:27,22 Minuten Bronze.
Über 400 Meter Freistil folgte dann der zweite Europameistertitel im Becken. Mit 4:32,04 Minuten gewann sie ihre Altersklasse und stellte erneut einen Championship Record auf.
Über 200 Meter Schmetterling belegte sie in 2:33,37 Minuten Platz vier.
Ihre größte Stärke zeigte sie aber auf den langen Freistilstrecken. Über 800 und 400 Meter Freistil sowie über 1.500 und 3.000 Meter Freiwasser wurde sie jeweils Europameisterin ihrer Altersklasse – und war zugleich auf allen vier Strecken die schnellste Frau des gesamten Wettkampfes.
Vom Freibad in den X-BIONIC-Kanal
Die Masters-Europameisterschaft verband Becken- und Freiwasserschwimmen auf engem Raum.
Die Beckenwettkämpfe fanden in einem großen Freibad mit 50-Meter-Becken und zehn Bahnen statt. Direkt daneben lag der X-BIONIC-Kanal, in dem die Freiwasserwettkämpfe ausgetragen wurden.
Trotz sommerlicher Außentemperaturen war das Wasser dort mit etwas über 18 Grad überraschend kühl.
Für Alisa war das allerdings eher ein Vorteil. Als erfahrene Eisschwimmerin fühlt sie sich in kaltem Wasser wohl und freute sich darüber, ohne Neoprenanzug antreten zu können. Im Freiwasser schwimmt sie ohnehin am liebsten im normalen Wettkampfbadeanzug.

Schwieriger Start über 1.500 Meter
Über 1.500 Meter Freiwasser wurde es zunächst deutlich unangenehmer.
Direkt nach dem Start wurde Alisa von Konkurrentinnen auf beiden Seiten stark eingeengt. Es kam zu engem Gerangel, das sie auch mental beschäftigte.
Trotzdem gelang es ihr, sich im weiteren Rennverlauf deutlich abzusetzen und den Europameistertitel zu gewinnen.
Mit 17:44,12 Minuten war sie erneut nicht nur die Schnellste ihrer Altersklasse, sondern die schnellste Frau des gesamten Rennens.
Der perfekte Abschluss über 3.000 Meter
Das emotionalste Rennen der gesamten Europameisterschaft folgte einen Tag später.
Über 3.000 Meter Freiwasser waren die Bedingungen deutlich angenehmer. Kein Gerangel, ein fairer Start, freie Bahn.
Alisa konnte ihr Rennen von Beginn an selbst bestimmen. Schon die erste 1.500-Meter-Runde schwamm sie schneller als am Vortag über die gesamte 1.500-Meter-Strecke. Früh setzte sie sich an die Spitze.
Während des Rennens sah sie immer wieder ihre Familie am Ufer, insbesondere ihren Ehemann Martin.
Diesmal konnte sie den Wettkampf einfach genießen.
Nach 35:49,92 Minuten schlug sie als Europameisterin ihrer Altersklasse und erneut als schnellste Frau des gesamten Feldes an.
Für Alisa war es der perfekte Abschluss einer langen Europameisterschaft.






Erfolg mit kritischem Blick
Bemerkenswert ist dabei auch ihre eigene Einordnung der Ergebnisse.
Eine persönliche Bestzeit hatte sie sich vor der Europameisterschaft fest vorgenommen. Diese gelang diesmal nicht.
„Wenn man die Ergebnisse von außen betrachtet, ist das natürlich ein bisschen Meckern auf hohem Niveau“, sagt Alisa selbst.
Vier Goldmedaillen, einmal Silber, einmal Bronze, Platz vier und zwei Championship Records sind tatsächlich eine außergewöhnliche Bilanz.
Trotzdem hat sie ihre Rennen bereits analysiert und sieht in mehreren Bereichen noch Potenzial für die kommenden Wettkämpfe.
Gerade diese Mischung aus Zufriedenheit und kritischer Selbstreflexion ist vielleicht ein Teil dessen, was ihre sportliche Entwicklung ausmacht.

Familie als wichtigste Unterstützung
Mit vor Ort waren Alisas Eltern Petra und Chris sowie ihr Ehemann Martin.
Alle drei begleiteten sie während der gesamten Europameisterschaft und waren bei jedem einzelnen Rennen dabei – im Becken genauso wie im Freiwasser.
Vierzehn Tage dauerte die Reise insgesamt, an sieben Tagen standen Wettkämpfe auf dem Programm. Auch die Tage dazwischen waren geprägt von Training, Einschwimmen, Regeneration und Vorbereitung.
Für Alisa wurde gerade deshalb noch einmal besonders deutlich, wie wichtig diese Unterstützung für sie ist.
Sie sagt selbst, vieles wäre ohne ihre Familie in dieser Form kaum möglich gewesen.
Nach dem letzten Wettkampf blieb dann auch Zeit, den Sport einmal kurz in den Hintergrund treten zu lassen. Gemeinsam ging es mit dem Katamaran von Bratislava nach Wien – ein Tag zum Durchatmen und um die vergangenen zwei Wochen gemeinsam sacken zu lassen.
Freundschaften über Ländergrenzen hinweg
Internationale Masters-Wettkämpfe leben für Alisa nicht nur von Zeiten und Medaillen.
In Šamorín traf sie viele bekannte Sportlerinnen und Sportler wieder. Besonders freute sie sich über Sara Gäbler und Katrin Diercks, die sie bereits zwei Jahre zuvor bei der Masters-Weltmeisterschaft in Doha kennengelernt hatte.
Aus diesen Begegnungen ist mit der Zeit eine Freundschaft entstanden, die von Wettkampf zu Wettkampf wächst.
Man feuert sich gegenseitig an, freut sich gemeinsam und tröstet sich auch einmal, wenn ein Rennen nicht so läuft wie erhofft.
Gerade diese Begegnungen gehören für Alisa inzwischen genauso zu internationalen Meisterschaften wie die sportlichen Ergebnisse selbst.

Nach der EM ist vor der WM
Lange wird Alisa ihre vier Europameistertitel allerdings nicht feiern können.
Das nächste große Ziel steht bereits fest.
Im Januar 2027 wartet die Weltmeisterschaft im Eisschwimmen.
Nach einem Sommer mit Freibad, See, 50-Meter-Becken und drei Kilometern Freiwasser beginnt damit nun der nächste sportliche Abschnitt.
Deutlich kälter – aber genauso ambitioniert.
Trainieren. Lachen. Wachsen. 🖤💛
