SSV Leutzsch

© Leipziger Volkszeitung vom 24.11.2005

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Jetzt wird Kompromiss gesucht

Die vom Beigeordneten Burkhard Jung eingebrachten Vorschläge zur Vereinskürzung werden so nicht umgesetzt. Darüber waren sich die Mitglieder des Sportausschusses am Dienstagabend fraktionsübergreifend einig. "Die Stadträte haben sich einstimmig gegen die geplante Kürzung der Leipziger Sportförderung um 280.000 Euro ausgesprochen", berichtete Margitta Hollick (Linkspartei) nach der Ausschusssitzung.

Dort hatte Jung seine umstrittenen Pläne erläutert. Nach heftigen Diskussionen habe der als OBM-Kandidat gehandelte SPD-Politiker eingesehen, dass Sportvereine zur Jugendarbeit beitragen und damit ein strategisches Ziel der Stadt verfolgen, berichtete ein Ausschuss-Mitglied. Diese Einschätzung führt zu einer anderen Bewertung des Sports im Haushalt und bedeutet im Endeffekt eine geringere Fördermittelkürzung. Vergangene Woche hatte der Beigeordnete gegenüber der LVZ geäußert: "Nicht jede Maßnahme, die im Kinder- und Jugendbereich stattfindet, ist automatisch als Jugendförderung im Sinne der strategischen Ziele der Stadt anzusehen." Insofern müsse man die einzelnen Maßnahmen genauer unter die Lupe nehmen. "Mit dem Geld von der Stadt fördern wir nur den Kinder- und Jugendsport", meinte dagegen Hollick. Durch die geplanten Kürzungen sei der Sport elementar bedroht. "Wir müssten sogar die Sportförderrichtlinie ändern, weil wir sonst den uns selbst auferlegten Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können", sagte die Vertreterin der Linkspartei. Ihre Fraktion habe deshalb den Antrag gestellt, die Sportförderung gar nicht zu kürzen. Dafür solle man beim Prestigeprojekt Fußball-WM vielleicht etwas weniger ausgeben, forderte sie. "Da sind 1,5 Millionen veranschlagt, ohne, dass gesagt wird, wofür eigentlich", weiß Hollick.

Derzeit gibt es zwei Alternativen. Im Haushaltsplan für 2006 ist eine Kürzung nach der "Rasenmähermethode" von 6,5 Prozent für alle Vereine vorgesehen. Der Sport müsste demnach auf 98.000 Euro verzichten. Jungs Vorschlag differenziert dagegen zwischen Jugend- und caritativen Einrichtungen und Sportclubs. Für seinen Vorschlag wird er aber nach derzeitigem Stand keine Mehrheit im Stadtrat finden. Eine Dritte Möglichkeit - vielleicht ein Kompromiss - soll am 7. Dezember gefunden werden. Dann hat Jung die Fraktionsvorsitzenden zu sich bestellt, um noch einmal über die Vereinskürzung zu sprechen. Seit Juni kursiert Jungs Vorlage im Rathaus. Alle möglichen Bereiche haben daran mitgewirkt. Nach einem halben Jahr Arbeit läuft nun aber doch alles auf einen Schnellschuss kurz vor Jahreswechsel hinaus.

Torben Stephan