SSV Leutzsch

© Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2005

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Gemischte Gefühle schwimmen mit

Leipzig/Berlin. Die Turner haben das Feld geräumt, nun wird Berlin für eine Woche auch zur Schwimm-Hauptstadt. Die 117. Deutschen Meisterschaften, die ab heute als Mammut-Veranstaltung mit 330 Entscheidungen von der Jugend bis zur Elite stattfinden, werden auch eine Antwort auf die Frage bringen: Gehört das traditionsreiche Leipzig noch zu den nationalen Hochburgen dieser olympischen Kernsportart?

Eine (positive) Teilantwort gibt bereits die 1436 Namen umfassende Startliste: In dieser Statistik sind die Schwimmer von der Pleiße mit 57 Aktiven hinter dem Gastgeber (129) die Nummer zwei. "Und das, obwohl wir über keine einzige städtische 50-m-Schwimmhalle verfügen", legt Stützpunkttrainerin Eva Herbst den Finger in eine der vielen Wunden, die das hiesige Umfeld erschweren.

Die Querelen um die durch den Olympiastützpunkt zu Weihnachten ausgesprochene Kündigung der Trainerin bestimmten bislang die Schlagzeilen der Saison. Der Rechtsstreit ist eine Hängepartie, die erst nach den Titelkämpfen entschieden wird. Eva Herbst habe sich erst im März von dem Schock ein wenig erholt und wieder mit alter Freude am Beckenrand gestanden. Dennoch sieht die 53-Jährige der Qualifikation für die WM in Montreal und die Junioren-EM in Budapest mit gemischten Gefühlen entgegen: "Es wäre schön, wenn ich in der Vorbereitung für meine 15 bis 17 Sportler einen zweiten Trainer gehabt hätte, wenn sich die Funktionäre mal nach den Problemen der Sportler erkundigt hätten, wenn die Junioren nicht gerade jetzt Abitur schreiben müssten und die Uni-Schwimmhalle nicht ausgerechnet diese Woche wegen des Sport-Eignungstests gesperrt worden wäre."

Von den vier aussichtsreichsten Messestädtern trainieren Stefan Herbst und Toni Franz bei ihr, während DHfK-Coach Jirka Letzin Janina-Kristin Götz und Sebastian Halgasch in die Rennen schickt. Eva Herbsts Gruppe trainierte mit Rücksicht auf die Abiturienten meist daheim. Jirka Letzin war mit seinen Schützlingen ungewohnt früh im Trainingslager: Im Februar mit denLanglaufski in Italien, imMärz in der Höhe von Mexiko. "Ich wollte neue Wege gehen. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt", meint der 34-Jährige, dessen Vertrag beimVerein in wenigen Wochen ausläuft.

Planungssicherheit ist also auf der ganzen Linie einFremdwort. Das betrifft auch den noch immer nicht offiziell bestätigten Bundesstützpunkt sowie den fehlenden Fördermittelbescheid für die nur als Modell existierende 50-m-Halle Antonienstraße. Top-Leistungen in Berlin sind mit Sicherheit kein Fehler. Doch ob sie wirklich etwas nützen, kann auch niemand garantieren.

Frank Schober