SSV Leutzsch

© LVZ vom 15.12.2002

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Bronze ganz knapp verpasst

Riesa. Wenn jemand Stefan Herbst vorher gesagt hätte, dass er bei der EM in zwei Einzelfinals steht, hätte er laut gejubelt - oder ungläubig den Kopf geschüttelt. Der einzige Leipziger Auswahl-Schwimmer schaffte das Kunststück, obwohl er in den letzen zehn Wochen wegen der Bundeswehr-Grundausbildung kaum trainiert hat. Doch wenn man einmal um die Medaillen schwimmt, kann man sich über die Plätze vier (200 m Freistil) und sieben (100 m Freistil) nicht so richtig freuen.

Gestern verpasste der Leutzscher seine dritte Einzelmedaille über 200 m seit 1999 um ganze vier Hundertstelsekunden. "Im vergangenen Jahr lag ich um exakt diese Differenz vor dem Vierten. Das Glück hat mir diesmal leider gefehlt", sagte der 24-Jährige, der als Zweiter der Vorläufe ins Finale gekommen war. Dort führte er wie so oft nach dem Start das Feld an. "Er hätte sich auf der ersten Bahn etwas zurück halten sollen", erkannte Mutter und Trainerin Eva Herbst. Doch Stefan wendete als Erster, fiel aber nach der Hälfte auf Rang fünf zurück. "Am Ende war ich völlig tot", sagte der Sportsoldat, der dennoch bis zum Anschlag die Medaille vor Augen hatte. Doch auf der Randbahn kam der Italiener Pelliciari noch vorbei geflogen.

"Für mich ist der vierte Platz Motivation fürs nächste Jahr. Man bekommt eben nicht alles geschenkt ohne Training", sagte Stefan Herbst abschließend, um noch anzufügen: "So leicht wie heute wird es nie mehr, ein solches Rennen auch mal zu gewinnen." Denn der "fliegende Holländer" Pieter van den Hoogenband fehlte, vom siegreichen Italiener trennte Stefan Herbst, der in 1:45,83 min die drittbeste Zeit seiner Karriere erzielte, keine halbe Sekunde. "Wenn er durchtrainiert hätte, wäre er hier 1:44 geschwommen. Aber wichtig ist, dass er 2004 schnell schwimmt", meinte Vater und Vereins-Chef Jochen. Bis zur Olympia-Ausscheidung kann Stefan Herbst nun 17 Monate lang ungestört trainieren.

fs