SSV Leutzsch

© Leipziger Volkszeitung vom 09.07.2003

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Operation Aufstieg: Weniger Härte und mehr Technik

Leutzscher Wasserballer wollen in die 2. Bundesliga/ Schlippe Schützlinge glauben an erfolgreiche Relegation am Wochenende

Die Blessuren verheilen, die Erinnerungen an die Triumphe bleiben. Die Stürze des Trainers vom Stuhl am Brandenburger Beckenrand während des Wimpernschlag-Finales am Ende der Meisterschaftsrunde (11:10-Sieg gegen den Mitkonkurrenten Brandenburg) sind vergessen, Rainer Schlippes blaue Flecke verheilt. Die Aufregung damals ist längst der Konzentration auf Kommendes gewichen.
Die Wasserballer vom SSV Leutzsch gewannen den Meistertitel in der Regionalliga Ost und den Pokal. Nun soll das Double gekrönt werden - mit dem Aufstieg in diei 2. Bundesliga. Am Wochenende beginnen die Relegationsspiele im nordrhein-westfalischen Werne. Der dortige TV lädt als Meister der Regionalliga West, Poseidon-Hamburg aus der 2. Liga, den regionalen Süd-Meister, 1. FC Nürnberg, und die Freien Schwimmer Hannover als Nordmeister, nach Nordrhein-Westfalen. Die Sachsen komplettieren die Runde.
„Richtig Lust" auf Liga zwei hat Alexander Hamann. „Das ist eine sportliche Herausforderung, die wir annehmen und bestehen wollen." Der 24-jährige Techniker weiß, wovon er spricht - auch durch seine einjährige Gastspielzeit bei Zweitligist Hannover-Laatzen.
„Auf uns wartet weniger Härte, dafür mehr Technik, Taktik und Cleverness." Gute Gründe für Rainer Schlippe wieder zum „Tanz" in die Uni-Schwimmhalle Mainzer Straße zu bitten. Dreimal in der Woche „Wasser", einmal „Kraft" - so heißt das Trainingsprogramm in diesen Tagen. Vor allem in Sachen Kondition muss geackert werden. In der 2. Liga dauert ein Viertel nicht sieben, sondern neun Minuten.
Zum fünften Mal spielen die Leutzscher nun schon in der Relegation. Dreimal waren sie bisher erfolgreich. 1997 gelang erstmals der Aufstieg. Das Intermezzo dauerte nur ein Jahr. 1999 wieder 2. Liga - diesmal für zwei Jahre. Gegenwärtig scheinen die Chancen für die Schlippe-Schützlinge, den Aufstieg zu schaffen, so gut wie lange nicht mehr. Zunächst hilft die Papierform. Danach steigen die ersten drei der Relegationsrunde (üblich sind die ersten beiden) auf. Außerdem sieht es im Vergleich zum gescheiterten Aufstiegsversuch 2002 personell und mental bei den SSV-Männern besser aus. Rainer Schlippe: „Im letzten Jahr haben wir uns den Aufstieg selbst kaum zugetraut. Mehrere Spieler fehlten aus beruflichen Gründen. Da war nicht mehr drin."
Und heute? Der 2,04-Meter-Hüne Dirk Rudolph, der als Eigenheimbauer 2002 gar nicht und in dieser Saison nur zeitweise für die Leutzscher ins Wasser sprang, steht als Center wieder voll zur Verfügung. Mit Peter Biskup, dem Erstliga-erfahrenen Tschechen, hat der SSV einen starken, beweglichen Neuen fürs Mittelfeld gewonnen. Und
schließlich verstärken die 20-jährigen Martin Firmbach (Zwickau) und Markus Vieth aus Magdeburg - einer im Mittelfeld, der andere in der Defensive - den Ost-Meister.
„Ich zähle im Relegationsturnier Hamburg als Absteiger und die Heimmannschaft von Werne zu den Top-Kandidaten für die Plätze eins und zwei. Dahinter sollten dann wir rangieren", schätzt Coach Schlippe ein. Die Hannoveraner haben die Leutzscher im Rahmen der vergangenen Relegation 2002 schon einmal bezwungen. Die einzige unbekannte Größe ist das Team aus Nürnberg.
Die SSV-Gemeinde ist optimistisch, die höhere Klasse erreichen und halten zu können - sowohl sportlich als auch finanziell. Die Wasserball-Abteilung arbeitet derzeit am 20000 Büro-Budget, das für die Liga nötig ist. Schließlich ginge es dann durch ganz Deutschland - auch nach Hamburg, Duisburg und Ludwigsburg. Drago Bock